'Migrantische' Unternehmerinnen in Wien

Welche Rolle spielen transnationale Aktivitäten für gesellschaftliche Positionierungen und Mobilität?

Beteiligte Wissenschaftlerinnen

Forschungsgebiete

Im Zentrum dieses Forschungsprojekts stehen Unternehmerinnen mit Migrationshintergrund in Wien. Einerseits sind damit Akteurinnen gemeint, die unternehmerisch tätig sind, als Migrantinnen definiert bzw. konstruiert werden, also als die mobilen 'anderen', und damit zu sozialem Wandel und gesellschaftlichen Aushandlungen und Transformationen beitragen und bewusst oder unbewusst dominante (sesshafte) Identitätspolitiken hinterfragen. Andererseits aber auch Unternehmerinnen, die diese Zuschreibungen aktiv nutzen um sich in bestimmten Sektoren und Bereichen ökonomisch zu positionieren bzw. denen aufgrund der Zuschreibungen andere Arbeitsmöglichkeiten verwehrt werden.

Verortung des Forschungsbereiches im Mobility-Diskurs

Migration und damit die 'Migrantinnen' stehen symbolisch für Globalisierungsprozesse und die damit verbundene Zunahme von Mobilität. Allerdings nicht im Sinne eines neuen Phänomens, sondern als integraler Teil von historischen und sozialen Transformationen. D.h. auch, dass Migration nicht als Abweichung verstanden wird und Sesshaftigkeit als Norm, sondern als politische und soziale Bewegung, die ihren eigenen Regeln und transnationalen Praktiken folgt, die allerdings ausgehandelt werden vor dem Hintergrund von gesellschaftlichen, sozialen und ökonomischen Strukturen.

Das Projekt grenzt sich ab von Ansätzen, die unternehmerische Aktivitäten von MigrantInnen im Kontext von ethnischen Ökonomien konzipieren und damit nicht nur ethnisch homogene Gruppe konstruieren, sondern auch in nationalstaatlichen Kategorien verhaftet bleiben. Stattdessen wird, mit Bezug auf die transnationale Migrationsforschung, aus Sicht der Akteure analysiert, inwieweit transnationale Aktivitäten die Wahrnehmung des sogenannten Aufnahmekontexts, die Strategie der UnternehmerInnen sowie Identitätsbildungsprozesse beeinflussen und dies Aushandlungsprozesse strukturiert.

Gender wird hierbei eine wichtige Analysekategorie darstellen, nicht nur weil unternehmerischer Aktivitäten von Frauen mit Migrationshintergrund in Wien so gut wie nie in der wissenschaftlichen Literatur behandelt werden, sondern auch weil gerade die Konstruktion der Migrantin, als 'unterdrückte' Andere gesellschaftliche Aushandlungsprozesse prägt. D.h. aber nicht, dass andere Kategorien wie Klasse oder 'Rasse' und deren Intersektionalität nicht ebenfalls wichtige Analysekategorien darstellen. In diesem Kontext wird insbesondere auf feministische Migrationsansätze zurückgegriffen.

Methodologisch stehen die Akteurinnen und ihre Lebenswelten im Zentrum des Erkenntnisinteresses. Darum werden vor allem qualitative Methoden, darunter biographische Interviews sowie teilnehmende Beobachtungen, angewendet um die Sinnstrukturen der Akteurinnen zu analysieren und zu kontextualisieren.

Die geplante epistemologische Verschiebung des theoretischen Rahmens und der Einbezug von unterschiedlichen Formen der Mobilität in einen Analyserahmen im Rahmen dieses Teilprojekts, d.h. der Fokus insbesondere auf die Mobilitätsstrategien und -praktiken der Akteurinnen, die auch Objekte oder Medien mit einschließen, bietet Schnittstellen zu den anderen Projekten.

Assoziierte Partnerin